Emil Dittmer  

Emil Dittmer war zeitweilig der größte Bauunternehmer Schleswig-Holsteins.
Im Alter von 85 Jahren ist er 2009 gestorben.

           

 

Diesen Weg ist wohl fast jeder Neumünsteraner schon einmal gegangen: Haustür auf, große Diele, links die Kellertreppe, geradeaus das Wohnzimmer, rechts die Küche und das Gäste-WC. Ganz klar, wir stehen in einem Edi-Haus. Tausende davon hat die Firma Emil Dittmer in ganz Norddeutschland und darüber hinaus gebaut. Der Vater des Edi-Hauses, Emil Dittmer, ist am Sonntag im Alter von 85 Jahren gestorben.

 

1923 wurde Emil Dittmer in Neumünster geboren. Er wuchs in sehr bescheidenen Verhältnissen im damaligen Eiderstedter Weg (Nähe Frankenstraße) auf, machte eine Lehre als Tuchmacher und musste in den Krieg. Bei den Pionieren entdeckte er, dass der Umgang mit Baumaterial auch Freude bereitet. Fortan stand für ihn fest: "Ich werde Bau-Ingenieur."


Nach dem Krieg machte Dittmer eine Maurerlehre, studierte in Lübeck und machte das Examen als Diplom-Ingenieur. Als Angestellter sammelte er erste Erfahrungen, baute beispielsweise die ersten Werkhallen der Firma Phrix und verdiente 250 Mark im Monat. 1954 gründete er mit 4000 Mark Startkapital seine Firma, die schlicht seinen Namen trug. Nun begann ein beispielloser Aufstieg.

Dittmer erfand das schlüsselfertige Haus aus vorgefertigten Stahlbetonteilen und gab ihm den Namen "Edi-Haus". Aus der Nähe von Kaltenkirchen kam der erste Auftrag, und tausende weitere folgten. Zum Festpreis von 56 000 Mark wurde es zum absoluten Renner, denn alle waren hungrig auf ein Eigenheim - auch wenn die Häuser vom Modell "Neumünster" sich nur darin unterschieden, ob die Garage links oder rechts stand. Zeitweilig standen 250 Bestellungen in den Büchern! Das 1000. Edi-Haus ließ sich der Tagesschau-Sprecher Wilhelm Stöck in Dersau bauen.

Emil Dittmer war in der Firma immer präsent, kalkulierte blitzschnell und trieb seine Mitarbeiter zu Höchstleistungen an. Wer ihn kannte, beschreibt ihn als hemdsärmelig und spontan. Seine Ziele verfolgte er mit ganzer Kraft, und nur von wirklich guten Argumenten, kurz und knackig vorgetragen, ließ er sich umstimmen. Er schätzte die Leute, die anpackten wie er; sie konnten bei ihm gutes Geld verdienen. Und Dittmer kümmerte sich um seine Mitarbeiter. Zum 25. Firmengeburtstag erhielt er 1979 vom Betriebsratsvorsitzenden Uwe Holtz ein großes Lob: "Lieber Chef! Jeder von uns wird mir beipflichten müssen, wenn ich behaupte, dass wir uns wie in einer großen Familie fühlen, deren immerhin recht kinderreicher Vater uns immer wieder ein wirklich gutes Beispiel ist."

Doch irgendwann wurden die Bauherren anspruchsvoller, die Idee mit dem Einheitsbau hatte sich überlebt. 1985 schaltete Edi auf Häuser mit Holzständerwerk um, aber das Konzept funktionierte nicht. Dittmer erkannte das und zog sich aus der Firma auf seinen Oberhof in Großenaspe zurück. 1989 kam der Konkurs des einstigen Neumünsteraner Vorzeigeunternehmens.

Dittmer engagierte sich über Jahrzehnte in der Bau-Innung, war ihr Ehrenobermeister und gilt als Vater der Bildungsstätte Bau. Zeitlebens bekannte er sich zu seiner Vaterstadt Neumünster und sagte: "Ich liebe diese Stadt." Er war ein großer Freund der Jagd, Mitglied der CDU und unterstützte ungezählte Vereine und Verbände. Aber unvergesslich macht Emil Dittmer in erster Linie sein Haus. Er hinterlässt seine Frau Renate, drei erwachsene Kinder und vier Enkel.

 

Quelle: Holsteinischer Courier vom 27.03.2009
Autor: Thorsten Geil

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26. Juni 2019

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